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Mein Garten in der Stadt: Urban Gardening ist Trend!

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Seit einigen Jahren verbreitet sich der Trend „Urban Gardening“ in Deutschlands Städten. Es gibt Dachgärten, Beete zum Mieten und auch verschiedene interkulturelle Projekte. Bei vielen urbanen Stadtgärten kannst du einfach mitmachen. Ich war für dich in Deutschland unterwegs und habe mir die neusten Ideen angeschaut.

von: Sinah Vonderweiden

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„Urban Gardening“ heißt auf Deutsch „städtischer Gartenbau“, also das Anlegen von Beeten und Gärten in der Stadt. Im urbanen Raum gibt es ja vor allem Häuser und betonierte Wege. Gärten gibt es in der Stadt aber auch schon immer: z.B. in öffentlichen Parks. Die modernen, urbanen Gärten haben viele verschiedene Namen und ganz unterschiedliche Formen. Am meisten verbreitet sind Gemeinschaftsgärten, Dachgärten und interkulturelle Gärten. Die ersten urbanen Gemeinschaftsgärten gab es wohl schon Mitte der 90er Jahre in Göttingen.

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Hier wurde mit dem Verein Internationale Gärten e.V. einer der ersten Deutschen interkulturellen Gärten gegründet – das heißt dieses Gartenprojekt ist eine Begegnungsstätte für Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund. Gärtnern macht nämlich besonders gemeinsam Spaß. Weil das Thema urbane Gärten so spannend ist, wurde an der Humboldt-Universität zu Berlin sogar eine Professur für Urbane Ökophysiologie eingerichtet. Dort wird erforscht wie Pflanzen und Lebewesen in der Stadt wachsen.

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Urban Gardening ist mit dem Beginn der 2000er Jahre ein beliebtes Hobby in westlichen Großstädten geworden. Das Ziel ist es, ökologischer zu leben und die Großstadt zu einem schöneren Ort zu machen. So kann man heute in der Stadt sogar sein eigenes Gemüse anbauen oder einfach hübsche Blumen Pflanzen. Es geht bei dem Trend auch darum, in der Stadt nicht den Bezug zur Natur zu verlieren und gemeinsam in einem Garten zu arbeiten. Die Urban Gardening-Bewegung geht besonders von jungen Stadtmenschen aus. Die orientieren sich mit ihren Projekten an traditionellen Werten. Denn, in Gemeinschaft zu sein, etwas selber zu machen und der Kontakt zur Natur, das sind ja eigentlich ganz ursprüngliche Bedürfnisse des Menschen.

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Wer in der Stadt wohnt und keinen Garten oder Balkon hat, der schafft sich einfach selbst eine kleine Grünfläche, auf einem Dach oder als Hochbeet im Hinterhof. In jeder Stadt werden einige Flächen von verschiedenen Projektgruppen zur Verfügung gestellt. Sie vermieten Beete, haben einen Garten auf dem Dach angelegt oder sind mit „Mobilen Gärten“ in der Stadt unterwegs. Der Kölner Gemeinschaftsgarten HELGA besteht zum Beispiel aus mehreren Pflanzkisten, die einfach woanders abgestellt werden können, sollte es für das Projekt keinen Platz mehr geben.

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So findest du das richtige Urban Gardening-Projekt in Deutschland: Es gibt in vielen Hochschulstädten Urban Gardening-Projekte. Am besten suchst du im Internet nach einer Gruppe in deiner Stadt. Berlin hat im Stadtteil Kreuzberg zum Beispiel eine landwirtschaftliche Begegnungsstätte geschaffen, die Prinzessinnengarten heißt und ganz neu ist das Stuttgarter Projekt Inselgrün am Zollamt in der Nähe des Cannstatter Wasen. In Hamburg sind weitere Projekte das „Gartendeck“ auf St. Pauli, oder die „Keimzelle“ im Karoviertel. Die Keimzelle ist ein kleiner sozialer Garten. Hier kannst du Gärtnern, zum Erholen und Entspannen hingehen oder dich mit Freunden treffen.

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Auf dem Gartendeck in Hamburg habe ich mich mit der Studierenden Manasa aus Indien getroffen. Manasa ist 23 Jahre alt und studiert an der Technischen Universität Hamburg Umweltwissenschaften mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit. Sie kennt sich gut mit dem Thema Urban Gardening aus und sieht in diesem ökologischen Trend die Chance auf eine bessere Zukunft für alle Menschen die in großen Städten wohnen. Außerdem hat sie schon früh im indischen Dachgarten ihrer Eltern mitgeholfen.

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Hallo Manasa!

Wann bist du nach Deutschland gekommen und warum hast du dich entschieden, in Hamburg zu studieren?
Ich lebe seit einem Jahr in Hamburg und studiere im Erasmus Mundus Master-Programm. Als Teil meines Studiums hatte ich die Möglichkeit, zwischen vier verschiedenen Ländern zu wählen und eines von ihnen war Deutschland. Mir haben die Kurse, die hier angeboten werden, sofort gefallen. Also habe ich beschlossen, nach Deutschland zu kommen.

Was war deine erste Erfahrung mit der deutschen Natur?
Seit ich in Deutschland angekommen bin, habe ich immer wieder beobachtete, dass es eine boomende Entwicklung gibt, was Natur und Gärten angeht. Ich mag hier auch den Ansatz, Pflanzen als Teil der Community zu betrachten und nicht als Individuen. Und da Deutschland ein schönes Land ist, gefällt mir auch die Naturlandschaft hier und besonders die vielfältige und einzigartige Flora und Fauna. Meine Lieblingsplätze sind hier in der Stadt die öffentlichen Parks und botanischen Gärten.



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Sind dir Besonderheiten beim Gärtnern in Deutschland aufgefallen?
Ich persönlich glaube, dass deutsche Gartenliebhaber versuchen immer umweltfreundlicher zu werden. Ich habe Leute gesehen, die Regenwasser in Fässern sammeln, um ihre Pflanzen zu wässern und ihre Küchenreste im Kompost sortieren. Gartenabfälle werden auch ganz oft getrennt und kompostiert.

Was ist für dich das Besondere am aktuellen Urban Gardening-Trend?
Wenn man früher an Gartenarbeit und Landwirtschaft dachte, dachte man an hübsche Bilder vom Land oder blühende Felder. Die Zeiten haben sich aber definitiv geändert und auch unser Denken. Heute werden in vielen Großstädten der USA, Indien und Europas viele Ideen ausgetauscht und Diskussionen über grüne Dächer und Dachgartenkonzepte geführt. Da Pflanzen und Bäume das Potenzial haben, die Kohlenstoffgase in der Atmosphäre zu absorbieren, verbessert die Einrichtung eines Dachgartengartens die Qualität des Lebens in der Stadt total.

Es gibt natürlich auch noch andere Arten von Urban Gardening, wie begrünte Wände oder vertikale Gärten, die graue Wände in der Stadt mit wunderschönen Pflanzen abdecken. Und es gibt ja auch Gewächshäuser auf Dächern, die auf Industriebauten platziert werden können. Auf jeden Fall finde ich diesen Trend wirklich wichtig.

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Was meinst du: Warum muss man Städte heute eigentlich noch grüner machen?
Da die Weltbevölkerung Jahr für Jahr wächst, wird bald wohl mehr als die Hälfte der Bevölkerung in großen Städten leben. Wenn man dann daran denkt, dass immer mehr Menschen Wasser und Elektrizität benötigen und auch die Menge an Abfall, Verkehr, Verschmutzung zunehmen wird… All dies hat einen negativen Einfluss auf die Umwelt, die Wirtschaft sowie auf die Gesundheit der Menschen.
Parks und Gärten bieten den Stadtbewohnern die Möglichkeit zu entspannen, zu atmen. Da erleben sie nicht nur die Natur, sie verbessern auch ihre körperliche und geistige Gesundheit. Wir müssen deshalb versuchen die Städte lebendiger und blühender zu machen. Ich denke, es ist höchste Zeit, dass die Menschen sich in ihren städtischen Aktivitäten mehr der Natur zuwenden.

Hast du schon man an einem urbanen Garten mitgearbeitet?
Ja, ich habe schon früh an einem städtischen Gartenprojekt mitgearbeitet. Das war ein Dachgarten-Projekt, das meine Eltern gestartet haben. Meine Mutter und mein Vater engagieren sich schon seit ich klein bin leidenschaftlich für ihren Stadtgarten auf einem Dach. Als meine Schwester und ich klein waren, hat meine Mutter uns oft mitgenommen. Wir haben gesehen, wie sie verschiedene Beete anlegte und riesige Terrakottatöpfe kaufte, um sie zu bepflanzen. Außerdem benutzte sie alte Plastikflaschen und -schalen wieder, verzierte sie und verwandelte sie in hübsche Töpfe zum Anpflanzen. Ich bin froh, dass sie mir schon in der Kindheit die Bedeutung der Gartenarbeit nahegebracht haben und bin sehr glücklich, dass meine Familie bereits einen Beitrag zum Urban Gardening-Trend leistet.

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Gibt es in Indien auch einen Trend zum Urban Gardening, um große Städte attraktiver zu machen?
Ja, absolut. Der Urban Gardening-Trend wird immer beliebter in Indien. Früher war das mehr Hobby und nur zur Dekoration. Heutzutage Gärtnern die Menschen nicht nur zum Spaß, sondern bauen auch immer öfter ihr eigenes Gemüse an. Nicht nur in meiner Stadt, auch in anderen Metropolen, sind die Menschen oft in Dachgärten vernetzt.

Und auf dem ehemaligen Parkdeck vom Gartendeck St. Pauli haben wir auch genau so ein Netzwerk getroffen. Auf dem inzwischen wild bepflanzten Plateau wird nämlich nicht nur gegärtnert… Einige Mitglieder treffen sich regelmäßig und planen gemeinsam, was es demnächst noch zu tun gibt.
Und während Manasa und ich noch einen kurzen, sonnigen Moment nutzen um ihr Portraitfoto schießen, diskutieren nebenan schon die Urban Gardening-Fans wie die Beete im Frühling bepflanzt werden. Die orangefarbenen Hochbeete sind übrigens nach Städten aus der ganzen Welt benannt – zur einfacheren Orientierung. Neben Apfelbäumen, Erdbeeren und hübschen Blumen, wachsen hier auch ein paar Gemüsesorten und Kräuter. Mit denen wird am Ende der Saison auch gerne mal zusammen etwas Leckeres für alle Urban Gardening-Experten gekocht. Wir genießen aber nun erstmal ein Sonnenbad in den selbst gebauten Gartenmöbeln.

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